
Was musst du über den Schweizer Arbeitsvertrag und die Probezeit wissen?
Arten des Schweizer Arbeitsvertrags, Regeln zur Probezeit, Kündigungsfristen, Brutto-Netto-Unterschied und GAV-Vereinbarungen — verständlich erklärt für Ungarn, basierend auf Daten von 2025–2026.
Kurze Antwort
Der Schweizer Arbeitsvertrag wird durch das Obligationenrecht (OR, Art. 319–362) geregelt und unterscheidet sich in wesentlichen Punkten erheblich von der ungarischen arbeitsrechtlichen Logik. Die Probezeit beträgt standardmäßig einen Monat, kann aber schriftlich auf maximal drei Monate verlängert werden — während dieser Zeit kann jede Partei mit einer Kündigungsfrist von sieben Tagen ausscheiden. Die Kündigungsfristen verlängern sich mit der Dauer des Arbeitsverhältnisses, und in vielen Branchen ist der Gesamtarbeitsvertrag (GAV) maßgebend, der gegenüber dem Einzelvertrag stärkere Regelungen enthält. Bevor du unterschreibst, lohnt es sich, jede Zeile zu verstehen — das Schweizer Arbeitsrecht lässt den Parteien viel Spielraum, und was nicht schriftlich festgehalten ist, kann leicht zum Streitpunkt werden.
Welche Arten von Arbeitsverträgen gibt es in der Schweiz?
In der Schweiz begegnest du drei grundlegenden Arbeitsvertragstypen:
Unbefristeter Arbeitsvertrag: Dies ist die häufigste Form. Es gibt kein Ablaufdatum; das Arbeitsverhältnis besteht bis zur Kündigung. Die meisten Stellen im Büro-, Industrie- und Dienstleistungsbereich sind so gestaltet.
Befristeter Arbeitsvertrag: Er hat ein konkretes Enddatum. Er endet automatisch bei Ablauf — eine Kündigung ist nicht erforderlich. Wichtig: Wenn der Arbeitgeber dich nach Ablauf tatsächlich weiterbeschäftigt, wandelt sich der Vertrag gemäß Art. 334 OR in einen unbefristeten um.
Rahmenvertrag / Arbeit auf Abruf (Abrufarbeit): Es gibt keine garantierte Arbeitszeit; der Arbeitgeber ruft den Arbeitnehmer nach Bedarf ein. Aus ungarischer Sicht eine ungewöhnliche Konstruktion — besonders verbreitet in der Gastronomie, Logistik und bei Saisonarbeit. Achtung: Gemäß Art. 319 Abs. 2 OR können Gerichte ein solches Verhältnis als Arbeitsverhältnis qualifizieren, wenn jemand regelmäßig in diesem Rahmen tätig ist — auch wenn der Vertrag etwas anderes besagt.
Ungarisch-schweizerischer Unterschied: In Ungarn regelt das Arbeitsgesetzbuch (Mt.) detailliert, was ein Arbeitsvertrag enthalten muss. In der Schweiz schreibt das OR deutlich weniger zwingend vor — die Parteien können nahezu alles frei vereinbaren. Das bedeutet Flexibilität, aber auch, dass was nicht schriftlich festgehalten wird, leicht zugunsten des Arbeitgebers ausgelegt werden kann.
Worauf solltest du vor der Unterzeichnung des Arbeitsvertrags achten?
Pflicht- und empfohlene Bestandteile
Nach OR ist ein Arbeitsvertrag auch mündlich gültig — das bedeutet jedoch nicht, dass du dich auf eine mündliche Vereinbarung verlassen solltest. Bestehe immer auf Schriftlichkeit.