Generationen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt: Was Sie wissen sollten
Was zeigt das veränderte Gewicht der Generationen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt, und wie sind die Daten als arbeitssuchende oder erwerbstätige Person zu verstehen?

Daten zur Rolle der Generationen auf dem Arbeitsmarkt zeigen in erster Linie, wie sich das Gewicht der Altersgruppen innerhalb der erwerbstätigen oder arbeitssuchenden Bevölkerung verändert. Sie sagen nicht aus, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass eine Person eines bestimmten Alters eine Stelle erhält, oder wie sie arbeitet. In der Schweiz ist die Entwicklung des Anteils der Babyboomer ein historisches Beispiel für diesen Wandel: Ihr Anteil erreichte 1995 mit 46,0 % seinen Höchststand, bevor die Generation X sie 2010 auf dem Arbeitsmarkt überholte. (Schweizerisches Bundesamt für Statistik, BFS)
Worum geht es bei der Frage nach den Generationen auf dem Arbeitsmarkt?
Die Frage hat zwei Seiten: Wie stark sind die verschiedenen Altersgruppen auf dem Arbeitsmarkt vertreten, und wie lässt sich ihr gleichzeitiges Auftreten am Arbeitsplatz einordnen? Die erste Frage ist statistischer Natur. Für die zweite müssen über die Beschäftigtenzahlen hinaus auch die konkrete Tätigkeit, die Arbeitsorganisation und die Zusammenarbeit untersucht werden.
Der Artikel von jobs.ch über Generationen hebt die gleichzeitige Präsenz von fünf Generationen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt hervor. Zu den Generationsbezeichnungen gehören die Silent Generation, die Babyboomer, die Generation X, die Generation Y – auch Millennials genannt – und die Generation Z.
Diese Bezeichnungen sollten jedoch nicht als Persönlichkeitstypen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern verstanden werden. Allein die Zugehörigkeit zu einer Generation lässt weder auf digitale Kompetenz, Führungseignung, Lernbereitschaft noch auf Erwartungen an die Arbeit schliessen. Die Interpretation der Altersstruktur sollte daher von der Beurteilung individueller Fähigkeiten getrennt werden.
Dasselbe gilt für Aussagen über Unterschiede zwischen den Generationen. Wenn ein Artikel behauptet, eine Altersgruppe gehe anders mit der Arbeit um als eine andere, sollte die Leserschaft prüfen, welche Daten dies stützen: Beschäftigungsstatistiken, eine Meinungsumfrage oder lediglich eine Interpretation.
Was zeigt die Veränderung des Gewichts der Altersgruppen?
Historischen Daten des BFS zufolge erreichte der Anteil der Babyboomer am Arbeitsmarkt 1995 mit 46,0 % seinen Höchststand. Die Generation X überholte sie 2010. Dies zeigt eine Veränderung des relativen Gewichts der Altersgruppen, nicht eine Änderung der Vorschriften zur Stellensuche oder zum Arbeitsrecht. (BFS)
Anteil und Anzahl sind nicht dasselbe. Ein sinkender Anteil einer Gruppe beweist allein nicht, dass die Zahl der zu dieser Gruppe gehörenden Erwerbstätigen im gleichen Ausmass zurückgegangen ist. Um den Anteil richtig einzuordnen, muss auch die Grösse der gesamten untersuchten Bevölkerung berücksichtigt werden.
Aus einem grösseren Anteil lässt sich keine bessere Arbeitsmarktsituation ableiten. Um Aussagen über Beschäftigungsmöglichkeiten, Löhne oder Arbeitsbedingungen treffen zu können, sind Daten erforderlich, die diese Aspekte unmittelbar untersuchen.
Die Präsenz der Generationen ist auch nicht gleichbedeutend mit einer Erklärung des Arbeitskräftemangels. Aus einer Altersstruktur allein lässt sich weder feststellen, in welchen Berufen Arbeitskräfte fehlen, noch welche Schritte Unternehmen unternehmen sollten.
Warum kann das für in der Schweiz lebende Ungarinnen und Ungarn wichtig sein?
Für Stellensuchende können Generationsdaten dabei helfen, das Bild vom Schweizer Arbeitsmarkt einzuordnen. Ein landesweiter Altersgruppenanteil sollte jedoch nicht als persönliche Wahrscheinlichkeit einer Anstellung interpretiert werden. Daraus, dass eine Generation eine grosse Gruppe bildet, folgt noch nicht, dass sie bei einer bestimmten Stelle bevorzugt wird.
Bei der Beurteilung einer Stellenausschreibung ist es daher sinnvoll, sich auf die konkreten Anforderungen zu konzentrieren: Welche Aufgaben sind zu erfüllen, welche Kenntnisse werden erwartet und welche Arbeitsbedingungen werden angeboten? Die Generationenzugehörigkeit ersetzt nicht den Vergleich dieser Punkte mit der Erfahrung der bewerbenden Person.
Auch als bereits beschäftigte Person kann diese Unterscheidung helfen, eine Situation am Arbeitsplatz einzuordnen. Bei unterschiedlichen Kommunikations- oder Feedbackbedürfnissen ist es beispielsweise sinnvoller, die konkreten Erwartungen zu klären, als die Meinungsverschiedenheit automatisch mit dem Alter zu erklären.
Der ungarische Hintergrund allein rechtfertigt keine besonderen Schlussfolgerungen aus diesen gesamtschweizerischen Daten. Die allgemeine Verteilung in der Schweiz entspricht nicht der Altersstruktur der in der Schweiz lebenden ungarischen Arbeitnehmenden und gibt keine gesonderte Auskunft über deren Beschäftigungsmöglichkeiten.
Welche Daten müssen zusätzlich geprüft werden?
Bei der Verwendung einer Statistik über Generationen sollte zunächst geprüft werden, auf welches Jahr sich die Daten beziehen. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels und der Zeitraum der dargestellten Statistik sind zwei unterschiedliche Informationen. Ein historischer Anteil lässt sich nicht automatisch als Beschreibung der aktuellen Situation verstehen.
Die nächste Frage lautet, wer gezählt wird. Die deutsche Bezeichnung für die wirtschaftlich aktive Bevölkerung ist Erwerbsbevölkerung, für die beschäftigte Bevölkerung Erwerbstätige. Für die Interpretation der Daten muss die in der Quelle verwendete Bevölkerungsgruppe berücksichtigt werden; die Bezeichnungen dürfen nicht vertauscht werden.
Bei der Suche nach der Arbeitsmarktteilnahme beziehungsweise der Erwerbsquote muss ebenfalls geklärt werden, worauf sich der Prozentsatz bezieht. Es ist ein Unterschied, welchen Anteil eine Generation an der gesamten untersuchten Bevölkerung ausmacht und wie viele Mitglieder dieser Generation am Arbeitsmarkt teilnehmen.
Schliesslich spielen auch der geografische und der fachliche Geltungsbereich eine Rolle. Aus gesamtschweizerischen Daten lässt sich nicht automatisch auf die Zusammensetzung eines Kantons, einer Branche oder eines Unternehmens schliessen. Beim Vergleich von Generationen müssen zudem die Grenzen der Geburtsjahre geprüft werden, damit tatsächlich gleiche Gruppen miteinander verglichen werden.
Was bedeutet das in der Praxis?
Generationsbezogene Daten lassen sich sinnvoll nutzen, wenn daraus Schlussfolgerungen gezogen werden, die zur jeweiligen Fragestellung passen. Sie eignen sich zur Darstellung der Veränderung der Altersstruktur; für die Bestimmung der individuellen Chancen auf dem Arbeitsmarkt, der Löhne, des Rentenalters oder der Bedingungen für eine Erwerbstätigkeit nach der Pensionierung reichen sie allein jedoch nicht aus.
Vor einer konkreten Entscheidung sollten daher die für diese Entscheidung relevanten Informationen gesucht werden: Bei der Stellensuche die Anforderungen der Stelle, bei der Zusammenarbeit am Arbeitsplatz die Erwartungen der Beteiligten und bei regulatorischen Fragen die für die jeweilige Situation geltende Regelung. So bleibt die Generationenperspektive im Hintergrund und wird nicht zu einem Vorurteil über die einzelne Person.
Quellen
Kurz gesagt
Die generationenspezifischen Daten zum Schweizer Arbeitsmarkt zeigen in erster Linie den relativen Anteil der Altersgruppen. Der Anteil der Babyboomer erreichte 1995 mit 46,0 % seinen Höchststand, während die Generation X sie 2010 überholte. Aus diesen Daten allein lassen sich weder die individuellen Chancen bei der Stellensuche noch die Arbeitsleistung ableiten.
Wichtige Punkte
- Der Anteil der Altersgruppen am Arbeitsmarkt ist nicht gleichbedeutend mit den individuellen Chancen bei der Stellensuche oder der Qualität der Arbeitsleistung.
- Der Anteil der Babyboomer erreichte 1995 mit 46,0 % seinen Höchststand, während die Generation X sie 2010 überholte.
- Anteil und Anzahl sind unterschiedliche Kennzahlen; ein sinkender Anteil ist für sich allein kein Beleg für einen Rückgang der Anzahl.
- Landesweite Daten beschreiben nicht automatisch die Zusammensetzung eines Kantons, einer Branche, eines Unternehmens oder der in der Schweiz lebenden ungarischen Arbeitnehmenden.
- Für die Interpretation der Daten müssen der Zeitraum, die untersuchte Bevölkerungsgruppe, die Grundlage der Prozentangabe und die Abgrenzung der Geburtsjahrgänge überprüft werden.
Häufige Fragen
Was zeigen die generationenspezifischen Arbeitsmarktdaten der Schweiz?
In erster Linie zeigen sie, in welchem Verhältnis die verschiedenen Altersgruppen auf dem untersuchten Arbeitsmarkt vertreten sind. Diese Daten geben für sich allein keinen Aufschluss über die individuellen Chancen bei der Stellensuche, die Löhne oder die Arbeitsbedingungen.
Lässt sich aus den Generationendaten ableiten, wie hoch die Chancen einer bewerbenden Person auf eine Stelle sind?
Nein. Aus den landesweiten Anteilen der Altersgruppen lässt sich nicht ableiten, wie hoch die Einstellungschancen einer bestimmten bewerbenden Person sind. Dafür müssen die Anforderungen der konkreten Stelle und die angebotenen Arbeitsbedingungen geprüft werden.
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