Warum taucht dieses Thema in der Schweiz immer wieder auf?
In der Schweiz werden die Sommerhitzewellen zunehmend intensiver. MeteoSchweiz gibt regelmässig Hitzewarnungen der Stufe 3 oder 4 heraus — letztere ist die höchste Stufe der nationalen Skala. In solchen Momenten ist der nächste See, Fluss oder das nächste Freibad für Stadtbewohner oft weit entfernt, der Brunnen hingegen gleich um die Ecke.
Das Abkühlen in Brunnen ist in der Schweiz keine neue Erscheinung. In vielen Städten handelt es sich um eine jahrzehntelange, ja generationenübergreifende Tradition. Dennoch unterscheiden sich die Regeln — wie so vieles in der Schweiz — von Kanton zu Kanton und von Stadt zu Stadt. Wer die Vorschriften nicht kennt, kann schnell in eine unangenehme Situation geraten.
In welchen Schweizer Städten darf man in Brunnen baden?
Im Folgenden fassen wir die geltenden Regeln nach Städten zusammen. Die Grundlage bilden Informationen der Schweizer Tageszeitung Blick und von Switzerland Tourism aus dem Jahr 2023 — die aktuellen Regelungen der einzelnen Städte sollten jedoch bei den lokalen Behörden überprüft werden, da sich Verordnungen zwischenzeitlich ändern können.
Winterthur — wo das Baden im Brunnen lokale Tradition ist
Winterthur (nordöstlich von Zürich, ca. 25 km entfernt) ist die einzige grössere Schweizer Stadt ohne eigenen See oder nennenswerten Fluss in der Nähe. Diesen Mangel gleichen die Einheimischen seit Jahrzehnten mit den Brunnen der Innenstadt aus.
Die Brunnen an der Steinberggasse werden an heissen Tagen zu echten Treffpunkten: Die Einheimischen setzen sich auf den Brunnenrand, lassen die Beine baumeln oder tauchen ganz ins Wasser ein. Das Baden ist hier nicht nur erlaubt — die Stadt und Switzerland Tourism bewerben es aktiv als sommerliche Attraktion.
Wer den Trubel meiden möchte, findet auch im Stadtquartier Veltheim einen Brunnen, wo es in der Regel ruhiger zugeht. Ein wichtiger praktischer Hinweis: Die Innenstadtbrunnen befinden sich auf öffentlichem Grund und sind gut einsehbar — zum Umziehen wird daher eine diskrete Ecke benötigt.
Aarau — 80 Brunnen, in allen darf man sich abkühlen
In Aarau (Kantonshauptstadt von Aargau) gibt es rund 80 Brunnen, und laut Stadtverwaltung darf man in allen davon plantschen. Aufgrund ihrer Grösse ist ein vollständiges Untertauchen in der Regel nicht möglich, doch die Füsse ins Wasser halten oder sich Wasser über den Körper schütten — das ist völlig akzeptiert.
Der Leiter des Tiefbauamts der Stadtverwaltung empfiehlt die Brunnen an der Rathausgasse und der Metzgergasse in der Altstadt. Auch in den kleinen Bach, der durch die Stadt fliesst, darf man mit den Füssen einsteigen — eine besonders angenehme Alternative an heissen Tagen.
Bern — die Brunnen auf dem Bundesplatz sind genau dafür gedacht
In der Schweizer Hauptstadt ist das Brunnensystem auf dem Bundesplatz vor dem Bundeshaus (Schweizer Bundeshaus) bewusst publikumsfreundlich gestaltet: Die Wasserdüsen spriessen aus dem Boden, und man darf frei hindurchlaufen oder -springen. Kinder lieben es besonders. Diese Lösung ist eher ein interaktives Wasserspiel als ein klassischer Brunnen — und genau dafür wurde sie konzipiert.
Bei den übrigen Brunnen in der Stadt sind die Regeln weniger eindeutig; der Bundesplatz ist der klare, empfohlene Ort.
St. Gallen — erlaubt, aber mit Vorsicht
In St. Gallen ist das Waten und Füssebaden in Brunnen erlaubt. Die Stadt weist jedoch darauf hin, dass besonders mit Kindern Vorsicht geboten ist — die Steinränder können rutschig sein, und Wasserdruck sowie Tiefe variieren von Brunnen zu Brunnen.
Empfohlener Ort: der Brunnen am Roten Platz (Roter Platz) im Stadtquartier Bleichi.
Zürich — erlaubt, aber nicht gefördert
In Zürich ist das Baden in Springbrunnen grundsätzlich erlaubt, wird von der Stadtverwaltung jedoch nicht aktiv gefördert. Der Grund ist praktischer Natur: Einige Brunnen sind mit dekorativen Stuckelementen und gemeißelten Steinfiguren verziert, die beim Klettern beschädigt werden können.
Der Stadtrat erwartet einen respektvollen Umgang mit den Brunnen. In der Praxis bedeutet das: Füße eintauchen, Wasser schöpfen — kein Problem. Auf den Brunnenrand klettern oder sich an den Zierelementen abstützen — nicht empfehlenswert.
Basel — erlaubt, aber nachts besser meiden
In Basel ist das Baden in Springbrunnen ebenfalls erlaubt, wird vom städtischen Betriebsamt jedoch nicht gefördert. In der Vergangenheit gab es wiederholt Lärmbeschwerden wegen nächtlicher Badegäste — daher empfiehlt es sich, in den Abend- und Nachtstunden besonders Zurückhaltung zu üben.
Wichtige Einschränkung: Hunde dürfen nicht in Springbrunnen gelassen werden — ihr Fell kann die Filter und Abflüsse verstopfen. Dies gilt für alle Basler Brunnen.
Bei einigen Brunnen ist das Baden vollständig verboten, da sich im Becken bewegliche mechanische Teile befinden, die Verletzungen verursachen können. Der Zschokke-Brunnen in der Nähe der Wettsteinbrücke ist eine gute Wahl — jedoch nur tagsüber.
Wo ist das Baden in Springbrunnen verboten?
Luzern — Verbot aus Denkmalschutzgründen
In Luzern ist das Baden in Springbrunnen verboten. Der Grund ist nicht ästhetischer, sondern rechtlicher und denkmalpflegerischer Natur: Die Brunnen der Stadt sind geschützte historische Kulturgüter. Die charakteristischen figuralen Ziersäulen (Brunnensäulen) können durch Klettern oder Stöße beschädigt werden, und ihre Restaurierung ist äußerst kostspielig.
Das Strasseninspektorat Luzern formuliert es unmissverständlich: Die Becken sind nicht zum Baden konzipiert. Bei Hitze empfiehlt die Behörde als Alternative das Ufer des Vierwaldstättersees — der vom Stadtzentrum aus tatsächlich gut erreichbar ist.
Übersichtstabelle: Baden in Brunnen nach Stadt
Stadt | Baden erlaubt? | Anmerkung |
|---|---|---|
Winterthur | ✅ Ja, Tradition | Steinberggasse, Quartier Veltheim |
Aarau | ✅ Ja | Rathausgasse, Metzgergasse; Größe begrenzt |
Bern | ✅ Ja (Bundesplatz) | Eigens dafür gestaltetes Wasserspiel |
St. Gallen | ✅ Ja, mit Vorsicht | Mit Kindern besonders aufpassen |
Zürich | ⚠️ Erlaubt, wird aber nicht gefördert | Dekorative Elemente nicht berühren |
Basel | ⚠️ Erlaubt, wird aber nicht gefördert | Nachts meiden; Hunde verboten |
Luzern | ❌ Verboten | Denkmalschutzverbot |
Worauf sollten Sie achten, wenn Sie sich an einem Brunnen abkühlen möchten?
Einige allgemein gültige praktische Hinweise, unabhängig von der Stadt:
Überprüfen Sie die örtlichen Vorschriften. Die obige Liste basiert auf Quellenmaterial aus dem Jahr 2023. Die Regelungen können sich ändern — bei Unsicherheit fragen Sie beim zuständigen städtischen Betriebsamt (Stadtwerke, Tiefbauamt) nach oder informieren Sie sich auf der offiziellen Website Ihrer Stadt.
Klettern Sie nicht auf die Dekorationselemente. Gemeisselte Steinfiguren, Säulen und Stuckverzierungen sind empfindlich. Das ist nicht nur eine kulturelle Erwartung — vorsätzliche Beschädigung ist strafbar.
Lassen Sie keine Hunde in den Brunnen. In Basel ist dies eine ausdrückliche Regel, aber auch in anderen Städten gilt: Tierhaare verstopfen die Filter.
Meiden Sie ihn nachts. Lärmklagen sind ein wiederkehrendes Problem — nächtliches Baden kann in mehreren Städten zu Konflikten mit Anwohnern führen.
Rechnen Sie nicht mit einer Umkleidemöglichkeit. Bei Brunnen in der Innenstadt gibt es selten Umkleidekabinen. Tragen Sie Kleidung, bei der es nicht stört, wenn sie nass wird, oder suchen Sie einen diskreten Ort zum Umziehen.
Das Wasser ist nicht in jedem Fall Trinkwasserqualität. In der Schweiz liefern viele Brunnen tatsächlich Wasser in Trinkwasserqualität (Trinkwasser) — aber nicht alle. Wenn Sie kein entsprechendes Hinweisschild sehen, trinken Sie das Wasser nicht.
Warum sollten in der Schweiz lebende Ungarn das wissen?
In Ungarn ist das Baden in Brunnen in der Regel verboten und unüblich. In der Schweiz — zumindest in bestimmten Städten — ist es eine akzeptierte und kulturell verankerte Praxis. Wer das nicht weiss, kann leicht in die Situation geraten, unnötigerweise darauf zu verzichten oder umgekehrt: es an einem Ort zu versuchen, wo es verboten ist.
Für Ungarn, die neu in die Schweiz gekommen sind, ist dies ein kleines, aber bezeichnendes Beispiel dafür, dass die Regeln im öffentlichen Leben der Schweiz von Stadt zu Stadt, ja sogar von Quartier zu Quartier unterschiedlich sind. Was in Zürich erlaubt ist, ist in Luzern verboten. Was in Winterthur Tradition ist, führt in Basel nachts zu Konflikten. Diese dezentralisierte Logik — der alltägliche Ausdruck des schweizerischen Föderalismus — zeigt sich in nahezu allen Lebensbereichen: von der Besteuerung über Schulregeln bis hin zu Vorschriften im öffentlichen Raum.
Quellen
Offizielle Website von Switzerland Tourism: switzerland.com
The Local Switzerland: „Where is bathing in fountains allowed in Switzerland?" (19. Juli 2023) — thelocal.ch
MeteoSchweiz (Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie): meteoschweiz.admin.ch
Offizielle Website der Stadt Winterthur: winterthur.ch
Offizielle Website der Stadt Luzern (Strasseninspektorat): stadtluzern.ch
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Kurz gesagt
Das Baden in Brunnen ist in der Schweiz nicht einheitlich geregelt: Die Vorschriften variieren von Stadt zu Stadt – ja sogar von Brunnen zu Brunnen. In Winterthur und Aarau hat das Brunnenbaden eine lange Tradition und ist ausdrücklich erlaubt. In Bern und St. Gallen ist es ebenfalls gestattet, jedoch unter bestimmten Bedingungen. In Zürich und Basel ist es zwar erlaubt, wird aber nicht aktiv gefördert. In Luzern ist es aus Gründen des Denkmalschutzes verboten. ---
Wichtige Punkte
- Das Baden in Brunnen ist in der Schweiz nicht einheitlich geregelt – die Regeln unterscheiden sich von Stadt zu Stadt, ja sogar von Brunnen zu Brunnen.
- Winterthur und Aarau sind die klaren Grünzonen: Brunnenbaden hat dort Tradition und wird von der Stadtführung unterstützt.
- In Luzern stützt sich das Verbot auf den Denkmalschutz – hier gibt es keinen Ermessensspielraum.
- Hunde sollte man nirgendwo in einen Brunnen lassen; nächtliches Baden ist in mehreren Städten problematisch.
- Aufgrund des Schweizer Föderalismus lohnt es sich stets, die lokalen Regelungen zu prüfen – und sich nicht allein auf landesweite Verallgemeinerungen zu verlassen.
- Dieses Thema ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich die Verhaltensnormen im öffentlichen Raum in der Schweiz von Stadt zu Stadt erheblich unterscheiden können – etwas, das Ungarn, die in die Schweiz kommen, wissen sollten.
Häufige Fragen
Darf man in Zürich in Brunnen baden?
In Zürich ist das Baden in Brunnen erlaubt, wird von der Stadtführung jedoch nicht aktiv gefördert. Dekorative Elemente und gemeißelte Steinflächen dürfen weder erklettert noch beschädigt werden. Das Kühlen der Füße und das Erfrischen mit Wasser ist allgemein akzeptiert.
Warum ist das Baden in Luzerner Brunnen verboten?
Die Brunnen in Luzern sind geschützte historische Kulturgüter. Die charakteristischen figürlichen Brunnensäulen sind empfindlich, und das Strasseninspektorat untersagt das Baden ausdrücklich. Als Alternative empfiehlt sich das Ufer des Vierwaldstättersees.
In welcher Schweizer Stadt ist das Brunnenbaden am weitesten verbreitet?
Winterthur ist das klare Beispiel: Da die Stadt weder einen See noch einen grossen Fluss hat, werden die Brunnen in der Innenstadt – besonders an der Steinberggasse – im Sommer zu echten gemeinschaftlichen Abkühlungspunkten. Auch Switzerland Tourism hebt diese Stadt in seinen Sommerkampagnen hervor.
Ist es erlaubt, einen Hund in den Brunnen zu lassen?
In Basel gibt es eine ausdrückliche Regel, die dies verbietet – das Hundefell verstopft die Filter und Abläufe. In anderen Städten gibt es nicht immer eine schriftliche Regelung, doch ist es generell nicht empfehlenswert.
Wie erfahre ich, ob das Baden an einem bestimmten Brunnen erlaubt ist?
Am zuverlässigsten ist es, die Website des zuständigen städtischen Tiefbauamts oder der Stadtwerke zu prüfen oder die Hinweisschilder vor Ort zu lesen. Wenn kein Schild vorhanden ist und Sie keine Informationen finden, orientieren Sie sich an den lokalen Gepflogenheiten – und lassen Sie im Zweifelsfall lieber die Finger davon.
Ist das Wasser in Schweizer Brunnen Trinkwasserqualität?
Viele Schweizer Brunnen liefern tatsächlich Wasser in Trinkwasserqualität (Trinkwasser) – das ist in der Schweiz weit verbreitet und auch unter Touristen bekannt. Dies gilt jedoch nicht für jeden Brunnen: Wenn kein entsprechender Hinweis angebracht ist, sollten Sie das Wasser lieber nicht trinken.
Was soll ich tun, wenn ich mir bei den lokalen Regeln nicht sicher bin?
Wenden Sie sich an das zuständige städtische Tiefbauamt oder informieren Sie sich auf der offiziellen Website der Stadt. Als Faustregel gilt: Wo kein Schild steht und keine lokale Tradition besteht, verzichten Sie lieber auf das Baden – besonders nachts und bei Brunnen mit dekorativen Elementen. ---

